BEWUSSTER MODEKONSUM
Du möchtest faire und nachhaltige Kleidung kaufen, bist dir aber nicht sicher, woran Du gute Mode wirklich erkennst?
Begriffe wie „nachhaltig“, „fair“, „ökologisch“ oder „bewusst“ findest Du inzwischen bei vielen Modemarken. Doch ein einzelner Begriff sagt noch wenig darüber aus, wie ein Kleidungsstück tatsächlich hergestellt wurde. Deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen: Wo wurde produziert? Welche Materialien wurden verwendet? Gibt es nachvollziehbare Informationen zur Lieferkette? Welche unabhängigen Siegel oder Zertifizierungen liegen vor?
In diesem Artikel zeige ich dir 7 konkrete Kriterien, mit denen Du Angaben zu fairer und nachhaltiger Mode besser einordnen kannst – und Greenwashing leichter erkennst.
Am Ende habe ich Dir auch noch eine CHECKLISTE beigefügt ✅
Wichtig: „Nachhaltigkeit“ ist kein geschütztes Qualitätssiegel für Kleidung. Ein Kleidungsstück kann beispielsweise durch bestimmte Materialien, eine lange Nutzungsdauer oder eine nachvollziehbare Herstellung Vorteile in einzelnen Bereichen haben, ohne deshalb in jeder Hinsicht „nachhaltig“ zu sein.Du fragst Dich, wie Du faire und nachhaltige Modemarken einfach erkennst und was Fair Fashion Marken von Fast Fashion Marken unterscheidet? Fast Fashion Marken tuen in den meisten Fällen genau das Gegenteil von den unten beschriebenen Punkten.
Faire und nachhaltige Kleidung erkennen: meine 7 Tipps
Es gibt nicht das eine Merkmal, an dem man faire oder nachhaltige Mode eindeutig erkennst. Entscheidend ist vielmehr das Gesamtbild und die Frage, ob die Angaben einer Marke konkret, nachvollziehbar und überprüfbar sind.
1. Achte auf das Geschäftsmodell und die Kollektionen
Sozusagen „das A und O“. Faire Modemarken sind vor allem daran zu erkennen, dass sie kurze Mode-Zyklen haben. Die meisten von ihnen bringen nur 4 Kollektionen im Jahr heraus und bieten zudem oft auch Pop-Up Outletstores an. Bei Fast Fashion Marken sind es meist 12 bis 24 Kollektionen im Jahr* oder mehr.
*Quelle: McKinsey & Company (2016), Style that’s sustainable: A new fast- fashion formula.
Wie oft eine Marke neue Kollektionen herausbringt, kann also ein Hinweis darauf sein, wie ihr Geschäftsmodell aufgebaut ist. Eine geringe Zahl an Kollektionen allein macht eine Marke allerdings noch nicht automatisch fair oder nachhaltig.
Interessanter ist deshalb die Frage:
Werden Kleidungsstücke langfristig angeboten?
Gibt es zeitlose Modelle statt ständig wechselnder Trends?
Wird auf Bestellung produziert?
Wie geht die Marke mit Überproduktion um?
Werden Restbestände transparent kommuniziert?
Gibt es Reparatur-, Wiederverkaufs- oder Rücknahmemöglichkeiten?
Gerade Produktion auf Bestellung („Made to Order“ oder „Label on Demand“) kann dazu beitragen, Überproduktion zu vermeiden. Das ist jedoch eine konkrete Eigenschaft des Geschäftsmodells und kein pauschaler Beweis dafür, dass eine Marke insgesamt nachhaltig arbeitet.
Wusstest Du? – Die Überproduktion sowie Deine Rücksendung wurden und werden bei Fast Fashion Marken oft einfach verbrannt! (Stand 2025)
Du möchtest wissen, was hinter der Nachhaltigkeit von Fast Fashion Marken steckt?
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2. Transparenz ist wichtiger als große Versprechen
Eine Marke, die ihre Herstellung nachvollziehbar erklärt, macht dir die Bewertung deutlich einfacher.
Schau deshalb auf Angaben wie:
Wo wurde das Kleidungsstück hergestellt?
Woher stammen die verwendeten Materialien?
Welche Produktionsschritte finden in welchen Ländern statt?
Gibt es Informationen zu den Produktionspartnern?
Welche Standards gelten für die Herstellung?
Werden konkrete Zertifizierungen genannt?
Sind Materialangaben und deren Herkunft nachvollziehbar?
Auch ein QR-Code kann hilfreich sein – aber nur dann, wenn Du darüber tatsächlich weiterführende Informationen zur Lieferkette erhältst.
Ein Satz wie „Wir produzieren nachhaltig und fair“ ist dagegen wenig aussagekräftig, wenn nicht erklärt wird, was genau damit gemeint ist.
Achte vor allem bei großen Textilunternehmen auch auf Siegel und Zertifizierungen des Unternehmens selbst. Meist findest Du diese in der Fußleiste der Webseite.
3. Siegel und Zertifizierungen richtig einordnen
Ein Siegel kann eine wertvolle Orientierung sein. Entscheidend ist aber, wer dahintersteht und welche Kriterien tatsächlich geprüft werden.
Achte deshalb darauf:
Welche Organisation vergibt das Siegel?
Welche Anforderungen müssen Unternehmen erfüllen?
Wird die Einhaltung von unabhängigen Dritten überprüft?
Bezieht sich die Zertifizierung auf das Material, die Produktion, soziale Kriterien oder mehrere Bereiche?
Gilt sie für das konkrete Produkt oder beispielsweise nur für einen Teil der Lieferkette?
Nicht jedes Logo auf einer Website ist automatisch ein unabhängiges Nachhaltigkeitssiegel.
Besonders vorsichtig solltest Du bei selbst entwickelten Zeichen oder Begriffen sein, deren Kriterien nicht transparent erklärt werden.
Tipp: Klicke bei einem Siegel immer auf die Informationen dahinter und prüfe, was tatsächlich zertifiziert wurde.
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4. Materialien konkret statt pauschal bewerten
„Nachhaltiges Material“ klingt gut, sagt allein aber noch nicht genug aus.
Schau lieber auf die konkrete Materialzusammensetzung und frage Dich:
Handelt es sich um konventionelle oder zertifizierte Bio-Fasern?
Werden recycelte Fasern eingesetzt?
Welche Faser wird verwendet?
Woher stammt der Rohstoff?
Welche Zertifizierung liegt gegebenenfalls vor?
Welche Eigenschaften hat das Material hinsichtlich Haltbarkeit und Pflege?
Beispiele für häufig verwendete Materialien sind Bio-Baumwolle, recycelte Baumwolle, Lyocell oder Viskosefasern.
Auch bei Marken- oder Materialbezeichnungen wie TENCEL™ oder LENZING™ ECOVERO™ solltest Du nicht allein vom Namen auf eine umfassende Umweltleistung schließen. Entscheidend ist, welche konkrete Faser beziehungsweise welches Produkt verwendet wird und welche Angaben dazu vorliegen.
5. Recycelte Materialien sind nicht automatisch „nachhaltig“
Recycling kann eine sinnvolle Möglichkeit sein, Materialien erneut zu nutzen. Trotzdem sollte auch hier genauer hingeschaut werden.
Frage Dich:
Wie hoch ist der Anteil an recyceltem Material?
Welche Faser wurde recycelt?
Bezieht sich die Angabe auf das gesamte Kleidungsstück oder nur auf einen Bestandteil?
Gibt es konkrete Angaben zum Recyclingverfahren?
Ist die Information durch eine Zertifizierung oder andere nachvollziehbare Unterlagen belegt?
Ein wichtiger Punkt: Eine Aussage über einen Bestandteil darf nicht den Eindruck erwecken, das gesamte Kleidungsstück habe diese Eigenschaft.
Wenn beispielsweise nur die Verpackung aus Recyclingmaterial besteht, sollte daraus nicht der Eindruck entstehen, das Kleidungsstück selbst sei vollständig aus recycelten Materialien hergestellt.
6. Verarbeitung, Haltbarkeit und Pflege berücksichtigen
Ein Kleidungsstück ist nicht allein deshalb nachhaltig, weil ein bestimmter Stoff verwendet wurde.
Auch die Nutzungsdauer spielt eine wichtige Rolle.
Achte deshalb auf:
stabile Nähte,
eine für den vorgesehenen Einsatz geeignete Materialqualität,
nachvollziehbare Pflegehinweise,
Reparaturmöglichkeiten,
Ersatzteile, wenn diese relevant sind,
Informationen zur erwartbaren Haltbarkeit,
einen zeitlosen oder vielseitig einsetzbaren Schnitt.
Statt pauschal von „nachhaltiger Verarbeitung“ zu sprechen, ist es aussagekräftiger, konkrete Eigenschaften des Kleidungsstücks zu benennen.
Denn nur so kannst Du als Verbraucher besser beurteilen, ob ein Produkt voraussichtlich lange genutzt werden kann.
7. Verpackung und Versand nicht mit dem gesamten Produkt verwechseln
Auch die Verpackung gehört zur Betrachtung einer Modebestellung – sie macht ein Kleidungsstück aber nicht automatisch zu einem „nachhaltigen Produkt“.
Interessant sind beispielsweise:
Wird unnötiges Verpackungsmaterial vermieden?
Ist die Verpackung angemessen dimensioniert?
Werden recycelte oder wiederverwendbare Materialien eingesetzt?
Gibt es Mehrweg- oder Rücknahmelösungen?
Werden konkrete Materialangaben zur Verpackung gemacht?
Wichtig ist dabei die genaue Formulierung.
Wenn eine Marke beispielsweise eine Verpackung aus Recyclingpapier verwendet, ist die Aussage „Verpackung aus Recyclingpapier“ deutlich konkreter als eine pauschale Aussage wie „nachhaltige Verpackung“.
Faire Mode und nachhaltige Mode sind nicht dasselbe
Die Begriffe „fair“ und „nachhaltig“ werden häufig gemeinsam verwendet, bedeuten aber nicht dasselbe.
Fair Fashion bezieht sich vor allem auf soziale und arbeitsbezogene Aspekte – beispielsweise Arbeitsbedingungen, Arbeitsschutz oder soziale Standards.
Nachhaltige Mode wird dagegen häufig für ökologische und ressourcenbezogene Eigenschaften verwendet. Je nach Definition können außerdem soziale und wirtschaftliche Aspekte dazugehören.
Ein Kleidungsstück kann deshalb beispielsweise aus einem zertifizierten Material bestehen, ohne dass damit automatisch alle sozialen Bedingungen der Herstellung bewertet sind.
Umgekehrt kann eine Marke bestimmte soziale Standards erfüllen, ohne dass damit automatisch eine umfassende ökologische Bewertung des Produkts verbunden ist.
Meine Checkliste für Deinen nächsten Kleidungskauf ✅
Wenn Du faire und nachhaltigere Mode kaufen möchtest, kannst Du diese Fragen als schnelle Checkliste verwenden:
☐ Sind Material und Materialanteile klar angegeben?
☐ Gibt es konkrete Informationen zur Herstellung?
☐ Ist die Lieferkette zumindest teilweise nachvollziehbar?
☐ Werden Zertifizierungen transparent erklärt?
☐ Wird zwischen Produkt, Material und Verpackung klar unterschieden?
☐ Gibt es Informationen zu Haltbarkeit und Pflege?
☐ Sind Reparatur oder Wiederverwendung möglich?
☐ Werden Umweltvorteile konkret beschrieben statt nur mit allgemeinen Begriffen beworben?
☐ Kann ich die Angaben der Marke nachvollziehen?
☐ Macht die Marke überprüfbare Aussagen statt großer Versprechen?
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